Casting um Wohnraum: Wenn Bewerber zur Performance greifen
Die Wohnungssuche ist zur öffentlichen Vorführung geworden
Die Suche nach bezahlbarem Wohnraum hat sich verändert: Statt allein auf Einkommen und Lage zu setzen, müssen Interessenten heute Geschichten erzählen. Aushänge an Laternen, handgeschriebene Briefe, selbst gebackene Muffins oder Kinderzeichnungen sollen Vermieter berühren und aus Hunderten von Bewerbern hervorstechen.
In einem Münchner Viertel hängt derzeit ein laminiertes DIN A4 Blatt an einem Laternenmast. Auf dem Zettel steht unter anderem «Wir suchen das Unmögliche» und eine Kinderzeichnung zeigt Familie und Haus. Tage später sind noch immer die Abreißzettel vorhanden, an anderen Masten prangt ein Angebot mit Finderlohn. Solche Szenen sind kein Einzelfall, sie spiegeln einen Markt, der sich vom klassischen Vermittlungsmodell entfernt hat.
Persönlichkeit statt Algorithmus
Die Kreativen versuchen, Plattformen und automatische Filter zu umgehen und direkt Menschen zu erreichen. Die Botschaften zielen auf Vertrauen und Emotion: sichere Jobs, ruhige Lebensweise, Liebe zur Nachbarschaft. In sozialen Medien werden Bewerbungen inszeniert, mit Fotos, Lebensläufen und kleinen Anekdoten, die Sicherheit vermitteln sollen.
Wo die Strategie an Glaubwürdigkeit verliert
Doch die Inszenierung hat Grenzen. Wenn Versprechungen zu perfekt wirken, kippt die Wirkung ins Unglaubwürdige. Die häufige Performance macht deutlich, wie angespannt der Markt ist: Wohnraum wird zunehmend nicht mehr nur nach Sachkriterien vergeben, sondern nach Empathie und öffentlicher Resonanz.
Für viele bleibt die Lage frustrierend: Niemand wünscht sich, dass Wohnraum zu einem Wettbewerb um Sympathie wird. Gleichwohl zeigen die kreativen Versuche, wie groß der Druck ist, der auf Wohnungssuchenden lastet. Ob Antonia und Malte, deren Zettel in München an der Laterne hängt, eine Wohnung finden konnten, bleibt ungewiss. Beim letzten Vorbeigehen fehlte jedenfalls ein Abreißstreifen.
Die Szene steht für einen grundlegenden Wandel: Ein Markt, in dem die einfache Bewerbung oft nicht mehr ausreicht und in dem sich Suche und Selbstdarstellung immer weiter verweben.

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